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Happy Birthday MS!

Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie es war, als ich meine Diagnose erhielt. Ich kann meinen Neurologen noch exakt wie vor genau zwei Jahren vor mir sitzen sehen, als er sagte:
“Wir müssen es nun MS nennen.”
Noch besser erinnere ich mich aber an die drei Monate zuvor. Das war die Zeitspanne zwischen meinem ersten Schub und meiner Diagnose. Im Gegensatz zu vielen anderen Geschichten von MS-Patienten hatte ich bereits nach 3 Monaten Klarheit darüber, was mit meinem Körper los war. Für mich war es ein großes Glück, denn ich gehöre zu den Menschen, die mit Ungewissheit nicht nur schlecht, sondern quasi gar nicht zurecht kommen.
Als ich mit einem KIS (klinisch isoliertes Syndrom; so nennen es die Ärzte, wenn man erst einen Schub hatte) aus der Klinik entlassen wurde beschäftigte ich mich Tag und Nacht mit meiner möglichen Diagnose: Multiple Sklerose. Es ist unglaublich, was ich in dieser Zeit im Internet alles aufgetan habe. Ich glaube fast, dass es nichts gab, was ich nicht gelesen hatte. Forschungsberichte, Erfahrungsberichte aus Foren, Studien, Medikamente und Erfahrungen mit diesen und alles, was ich sonst noch kriegen konnte. Ich legte meinen Arztbrief neben mich und versuchte, aus meinem angelesenen Wissen und den Untersuchungsergebnissen irgendetwas herzuleiten (was natürlich nicht klappte, schließlich war ich keine Ärztin).
Aus heutiger Sicht war das ein schrecklich ungesundes Verhalten, das mir mit der Zeit sogar geschadet hatte und das ich dir auch nicht empfehlen würde. Ich hatte wahnsinnige Angst davor, diese Diagnose zu bekommen (was ich natürlich nie zugegeben habe). Es war fast wie ein Zwang, mich damit auseinander zu setzen. Bis es mir eines Tages wirklich sehr schlecht ging und ich einsehen musste, dass das so nicht mehr ging. Ich hörte von heute auf morgen einfach so damit auf und es klappte sogar. Es fing an, mir wieder besser zu gehen und ich konnte weiter machen.
Als mein Neurologe mir dann 3 Tage vor Weihnachten 2017 meine Diagnose eröffnete war das Erste, was ich gefühlt habe, Erleichterung. Ich fühlte mich das erste Mal, seit die MS im Raum stand, wieder völlig ruhig. Keine Angst und kein Loch, in das ich gerissen wurde. Denn jetzt wusste ich, womit ich es zu tun hatte, und konnte endlich damit anfangen, etwas anderes zu tun als nur abzuwarten. Um das vorweg zu nehmen: Dieses berühmte Loch ist bis heute, zwei Jahre nach meiner Diagnose, nicht gekommen. Ich rechne auch nicht mehr damit, denn ich habe damit meinen Frieden geschlossen. Niemand weiß, was kommen wird. Auch niemand Gesundes. Bei mir ist nur die Wahrscheinlichkeit höher, dass sich etwas ändern wird.
Und nein, ich lebe nicht in der ständigen Angst vor einem Schub. Denn selbst, wenn dieser Schub kommen sollte: Was würde meine Angst davor daran ändern, außer mir das Leben unnötig schwer machen? Genau, garnichts. Ich weiß, dass das leichter gesagt als getan ist, aber wenn du diesen Punkt erreichst, dann hast du schon viel geschafft. Ich weiß, wovon ich spreche, denn ich habe bis vor einem Jahr insgesamt 5 Schübe gehabt. Bis auf den letzten Schub haben sich zum Glück alle wieder vollständig zurück gebildet, worüber ich sehr froh bin. Umso mehr habe ich in dieser Zeit allerdings die Phasen ohne Schübe und ohne Cortison zu schätzen gelernt.
Ich lebe bewusster und achte mehr auf mich selbst.
Ich kann mich über Dinge freuen, die früher normal waren und über die ich mir keine Gedanken gemacht habe.
Ich weiß, dass ich Freunde und Familie habe, die immer für mich da sind.
Ich habe tolle neue Menschen kennen gelernt, von denen manche gute Freunde geworden sind.
Ich habe eine Sportart gefunden, die mich erfüllt.
Ich habe gelernt, mir Schwächen einzugestehen und auch zu ihnen zu stehen.
Ich habe gelernt, immer wieder über mich selbst hinaus zu wachsen.
Ich habe gelernt, an mich selbst zu glauben.
Danke MS, dass du mir das alles gezeigt hast! Happy Birthday.
Foto: gabi hemann / pixelio

Ein Kommentar

  1. frottosgeschichten.de ist eine Sicht auf die ms, die uns auch mal schmunzeln lässt!
    glg

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