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Behindertenparkplätze

Ich habe eine Stärke, die gleichzeitig auch meine Schwäche ist. Ich glaube einfach an das Gute in Menschen. Manche Erlebnisse und Beobachtungen lassen mich aber immer mehr daran zweifeln, ob das tatsächlich Sinn macht.

Seit ich meinen blauen Parkausweis habe und damit auf Behindertenparkplätzen parken darf ist mir aufgefallen, dass im Großteil der Fälle die auf den Behindertenparkplätzen parkenden Autos gar keinen blauen Parkausweis hinter der Scheibe liegen haben. Was ich wirklich erschreckend finde, denn ich möchte dort nicht parken, weil es mir so viel Spaß macht oder der Parkplatz näher am Eingang oder er einfach frei ist.

Rollstuhlfahrer benötigen diese Parkplätze, weil sie breiter sind. Damit sie ihren Rollstuhl aus- und wieder einladen können, was nur bei geöffneter Fahrertür geht.

Und nein, ich kann mich nicht einfach auf einen normalen Parkplatz stellen, wenn der links von meinem noch frei ist. Dann komme ich zwar aus meinem Auto raus, aber im Ernstfall eben nicht mehr rein. Weil sich ein anderes Auto auf den Parkplatz neben meiner Fahrertür gestellt hat. Dem ich dann nicht mal einen Vorwurf machen kann, denn dafür gibt es ja Behindertenparkplätze. Umso nerviger ist es, wenn diese dann von Fußgängern ohne Gehbehinderung unberechtigt zugeparkt werden.

Treffe ich die Falschparker an, dann spreche ich sie mittlerweile auch darauf an, dass sie auf dem Parkplatz nicht parken dürfen. Dabei habe ich schon unterschiedliche Erfahrungen gemacht.

Der Klassiker ist sicherlich “Ich wollte nur schnell bei der Post einen Brief abgeben.” Hilft mir aber leider nicht weiter, wenn ich am Ende keinen Parkplatz deswegen bekomme, obwohl der Post-Geher sich durchaus einfach auf einen anderen Parkplatz hätte stellen können.

Was mir interessanterweise auch oft passiert ist, dass Leute sich auf den Parkplatz stellen, mich mit meinem Rollstuhl sehen und sofort ausparken, bevor sie den Motor überhaupt abgestellt haben. Auf der einen Seite ist ihnen ja offensichtlich bewusst, dass sie nicht dort parken dürfen und wollen es trotzdem machen. Auf der anderen Seite lassen sie es immerhin bleiben, wenn sie mich sehen. Wobei es dafür eigentlich nicht mich (oder einen anderen Rollstuhlfahrer) brauchen sollte.

Was die Rollstuhlsymbole auf diesen Parkplätzen angeht scheinen auch viele Menschen irgendwie blind zu sein. Letztens habe ich beim Einkaufen gleich zwei Menschen getroffen, die gesagt haben, sie hätten nicht gesehen, dass sie auf einem Behindertenparkplatz stehen. Zugegeben sind die Symbole dort nicht mehr ganz so neu und dementsprechend schon ein wenig verblasst. Wenn Person 1 mir dann allerdings sagt, dass sie es erst gesehen hat, als sie schon ausgestiegen war und nebenbei fröhlich ihre Wasserkisten aus dem Kofferraum räumt (Warum fährt man dann nicht einfach weg?) und Person 2 mich von der Unsichtbarkeit des Zeichens mit den Worten “Sie werden schon sehen, wenn ich gleich wegfahre, dass das total verwischt ist.” (was ja impliziert, dass es sehr wohl gesehen wurde), dann ist mein Verständnis sehr begrenzt.

Also bitte, auch wenn ihr es eilig habt und “nur schnell einen Brief abgeben” wollt: Stellt euch auf einen normalen Parkplatz. Denn ihr könnt es. Ich nicht.

Foto: Querschnitt / pixelio

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